Von Kuchen, Snappis und Medienbildung

Es ist Sonntag. Besuch bei meiner Schwester und meinen Nichten. Es gibt Tee und Kuchen mit irgendwelchen pinken Streuseln drauf. Ich schaue mir die Zeugnisse meiner Nichten an. Bin stolz. Zufrieden. Glücklich.
Es ist schön, wie sie sich entwickeln und ich ziehe nach wie vor den Hut vor meiner Schwester – für die Erziehung und das alles.

Nach dem Kuchen „daddelt“ meine Nichte neben mir am Smartphone. Ich beklage mich darüber, dass sie nie bei Whatsapp antwortet. Sie lässt das sichtlich kalt. Macht Fotos und zieht Grimassen. Ich täusche mich nicht, sie macht Snappis (frisch gelernt, denn Snaps heißen wohl auch Snappis). Snapchat? Kaum einer am Tisch kennt es. Meine erste Reaktion: gut so. Lasst den jungen Leuten doch zumindest noch Snapchat. Zweite Reaktion: wir sollten doch aber zumindest darum wissen – nicht vollumfänglich verstehen oder gar selbst nutzen – aber darum wissen.

Ich mache also ein paar Snappis mit ihr. Wir haben jetzt eine gemeinsame Story. Ob wir sie füllen werden? Ich weiß es nicht. Ahne aber, wie es ausgehen wird. Aber wir haben sie trotzdem erstmal.

Nach kurzer Zeit fliegt das Smartphone ganz freiwillig in die Ecke. Sie springt mit ihrer Schwester auf dem Trampolin herum, schaukelt, flitzt über den Schwebebalken (mein Rücken schmerzt noch mehr) und ist ein ganz „normales Kind“ … sie macht Sachen wie „früher“. Ohne Smartphone. Ohne Technik. Ohne Aufforderung.
Ja, auch oder gerade so sieht Medienbildung aus. Wegnehmen ist eben nicht die Lösung – verantwortungsvoller Umgang hingegen unbedingt. Danke.

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