(digitale)Kirche Web

24 Stunden #freiraumnetz19

Ich sitze im Zug von Berlin nach Oldenburg – in einem ziemlich alten IC. WLAN gibt es natürlich nicht und mobiles Netz? Ihr kennt die Antwort. Ich komme vom 4. Netzpolitischen Forum von der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitischen Jugendbildung (et) und der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej): #FreiraumNetz19.

In knapp 24 Stunden sprachen dort Mitarbeitende in Jugendverbänden und netzpolitischen Organisationen über Medienbildung, digitale Mündigkeit, Datensparsamkeit und viele anderen netzpolitische Themen. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine Podiumsdiskussion mit jungen Politiker*innen.

Die Probleme sind relativ klar:

Jugendliche bewegen sich im Internet oft in Grauzonen und sind von Strafverfolgung bedroht, wenn sie Inhalte im Netz teilen. Schon ein Videospiel im Hintergrund eines Fotos oder der geteilte Lieblingssong können Probleme bereiten. Gleiches gilt für Jugendbildungseinrichtungen. Da können Filme und Musik der Lebenswelt der Jugendlichen oft nicht in der Arbeit, in Medienprojekte oder Theateraufführungen werden nicht verwendet werden. Für eine im Netz veröffentlichte Mitschnitt des Tanzes zu einem Konsolen-Tanzspiel verlangt die GEMA unbezahlbare Gebühren. Selbst bei der Nutzung freier Bilder kann eine Einrichtung abgemahnt werden, wenn die Lizenz nicht korrekt angegeben wurde. In der Grauzone bewegt man sich auch, wenn man Bilder in Gottesdiensten verwendet oder Filme aus Computerspielen erstellt.

junge-akademie-wittenberg.de

Ich fahre nach Hause. Mein Kopf ist voll. Für mich ist nicht neu, wie umfassend beispielsweise die von mir gespeicherten Daten bei Amazon sind. Aber dass eine Kollegin die von ihr gespeicherten Daten bei Amazon angefordert hat und das ausgedruckt mehrere Stapel Papier wären … diese Visualisierung schockt mich doch ein wenig. 

Beim Abschlussmittagessen dann noch die fiese Erkenntnis: schauen wir doch mal was die Unternehmen so über uns speichern. Aber welche Unternehmen sind das eigentlich? Gibt es noch StudiVZ? Besteht meine ICQ Nummer noch? Wissen wir eigentlich wo wir überall Nutzeraccounts mit Daten haben? Die Antwort scheint einfach und erschreckend: nein. Oder sieht das bei dir ganz ehrlich anders aus?

Und jetzt?

Es gilt zu machen. Denn was man in 72 Stunden nach einem Vorhaben nicht anpackt, das tut man in der Regel gar nicht.

Ich fordere also meine Daten bei Amazon an (drei Mails sind schon verschickt, gar nicht so einfach). Was mache ich mit Alexa? Mal schauen. Ich schalte das Tracking auf dieser Website ab, denn wofür brauche ich Statistiken überhaupt?

Und dann kommt der Montag und ich werde in meiner Organisation verstärkt auf die Themen Datenverarbeitung und -sparsamkeit schauen. Wo können wir noch besser werden? Mit ejoPRO sind wir immerhin in Sachen Privacy schon ziemlich gut aufgestellt.

Und wie immer gilt: man muss irgendwo anfangen und kann/muss nicht gleich alles zu 150% ändern.

Mehr Rückblick und Ausblick im Podcast: #einfachmalmachen


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