Schafft die Büros ab!“ klingt schon ein wenig reißerisch, aber der Gastkommentar von Cristina Riesen, Europachefin bei Evernote, bei Capital ist mehr als nur interessant und reißerisch. Sie spricht von einer digitalen Revolution und wie diese unseren Arbeitsalltag verändert. Kreative Prozesse entstehen eben nicht von montags bis freitags zwischen 9.00 und 17.00 Uhr, sondern immer dann wenn sie es gerade wollen. Darum sollten wir unseren Ideen und Entscheidungen den Raum geben, den sie brauchen.

Wenn mein Tagesablauf zu mir passt, bin ich produktiver und das heißt letztendlich, dass das ganze Unternehmen produktiver ist. Ideen können jederzeit auftauchen, sie sind flexibel und nicht vorhersehbar. Wir sollten unseren Ideen den Raum geben, den sie brauchen.

Dazu passt auch ein Artikel bei t3n, den ich heute las. Dort schreibt Lars Budde, wie er vom Morgenmuffel zum Frühaufsteher wurde. Was das nun damit zu tun hat? Dieser einläutende Teil des Artikels hat es mir angetan:

„Warum stehst du um 6 Uhr auf, wenn du erst um 9 Uhr zur Arbeit gehst“, fragen viele. Und mir ist klar, woher das kommt. Ich bin angestellt. Mein Einkommen hängt nicht direkt von meiner Arbeitszeit ab. Ich könnte schon um 7 Uhr im Büro aufschlagen und hätte deutlich früher Feierabend.

Für mich ist diese Frage ein Zeichen dafür, dass Arbeitszeit für viele eine Pflichterfüllung ist. Etwas, das man so schnell wie möglich hinter sich bringt – am besten direkt nach dem Aufstehen. Dann habe man ja „mehr vom Tag“, heißt es. Doch ich bin anderer Meinung.

Deckeln tut sich das mit vielen Kommentaren, Bildern und anderen Dingen die man ab spätestens Montagmittag bei Facebook, Twitter & Co um die Augen gehauen bekommt: bald ist endlich wieder Wochenende, wann ist endlich dieser Montag um, noch 5 Tage und und und … dass ich das ziemlich anstrengend finde lasse ich des öfteren mal raus 🙂

Und jetzt?

Auch ich gehöre zu diesen Büromenschen mit relativ festen Arbeitszeiten. Aber ich sage relativ, weil mir meine Gleitzeit eine ganze Menge Freiheiten ermöglicht und doch schränkt sie ein. Morgens um 8 Uhr zum Sport gehen passt nicht, weil ich dann doch spätestens um 9 Uhr im Büro sein muss. (Bei Kundenverkehr gehören verlässliche Zeiten meiner Meinung nach aber einfach dazu und sind unumgänglich! Letztlich passt dieser Artikel nur auf eine Auswahl von Berufen bzw. Arbeitsplätzen!)

Wichtig finde ich aber, dass wir uns alle von diesem „Wochenendleben“ verabschieden. Zum einen haben viele Menschen gar kein regelmäßiges Wochenende (Krankenschwester, Ärzte, Apotheker, Verkäufer und und und) und zum anderen sollten wir mit unserer Lebenszeit viel wertvoller umgehen. Und wenn es denn dann am Montagabend mal ne Flasche Wein gibt weil sie so gut schmeckt, dann kann man doch dienstags (wenn man schon die Möglichkeit hat) einfach mal später zur Arbeit gehen ohne sich um 6 Uhr hochzuquälen.

Aber was hat das mit der Digitalisierung zu tun?

Immer mehr Menschen wird es heute ermöglicht fast rund um die Uhr an beliebigen Plätzen auf der Welt zu arbeiten. Rein technisch gesehen habe ich Dank Protonet auch die Möglichkeit (wenn es Internet gibt). Das sehen viele Menschen aber auch als Fluch, weil sie der Auffassung sind immer erreichbar zu sein oder niemals Feierabend zu haben. Meiner Meinung nach ist das aber eine Frage der Selbstdisziplin (ist übrigens ähnlich mit WhatsApp und Mails auf dem Smartphone und dieser ständigen Erreichbarkeit). Darum sehe ich die Möglichkeit zum ständigen Arbeiten und für ständige Erreichbarkeit als hohen Gewinn an, wenn es denn bei der Möglichkeit bleibt.

Ich unterschreibe also in Teilen das, was Cristina Riesen schreibt und ich stimme auch Lars Budde in vielen Dingen zu.

Lasst uns alle das Leben leben, denn eines Tages werden wir alt sein

Und zum Abschluss noch dieses Foto, was ich von einer spannenden Infografik gemacht habe, denn soviel arbeiten wir gar nicht (wo die Quelle aber leider nicht beisteht; wenn sie jemand hat, gerne her damit):

deutsche lebensbilanz

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2 Comments

  • Vali
    Posted 23. September 2015 at 20:22 0Likes

    Das wird wahrscheinlich leider Wunschdenken bleiben 😛

  • Stephan
    Posted 6. Oktober 2015 at 20:16 0Likes

    Deine Ansichten über das Arbeitsleben kann ich gut nachvollziehen. Es gibt immer noch zu viele eingekrustete Strukturen, die man unbedingt aufreißen sollte. Zum Glück gibt es immer mehr Optionen, bei größtmöglicher Flexibilität in Zeit und Raum (okay, das klingt jetzt ein wenig abgehoben) sein Geld zu verdienen und sich nicht an das „übliche“ Schema halten zu müssen. Und wie du bereits erwähnst, gibt es etliche Berufsgruppen, die sowieso kein klassisches Wochenende haben. Man sollte einfach mehr nach seinem eigenen Rhythmus und weniger nach dem des Mainstreams leben. Danke für deinen meine Sichtweise unterstützenden Artikel.

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