(digitale)Kirche Allgemein

WhatsApp gelöscht. Fast.

Ich möchte künftig keine privaten Daten von meinen Freunden, Bekannten und Verwandten ohne ihr Einverständnis an Dritte weitergeben – weder an Bekannte oder Fremde noch an Unternehmen. Das gehört sich einfach nicht und ist sogar gesetzlich verboten (inspiriert von warumthreema.de).

Ich gebe zu, dass ich schon lange mit diesem Gedanken spiele und jetzt gehe ich diesen Schritt: ich habe WhatsApp alle Berechtigungen entzogen – zur Löschung konnte ich mich einfach (noch) nicht durchringen. Dafür kommuniziere ich auch zu gerne und es ist mein Job 🙂 

Wozu der Beitrag?

In diesem Beitrag nehme ich nur ein paar Punkte zur Erklärung auf (ich ergänze noch). Dann muss ich es nicht immer wieder erzählen. Wenn euch was fehlt oder unlogisch erscheint, meldet euch gern bei mir.

Per WhatsApp erreicht ihr mich künftig kaum noch. Ich erhalte keine Mitteilungen mehr und werde nur noch gelegentlich reinschauen. Auf eigene Initiative hin kann ich auch niemanden mehr ganz neu anschreiben, weil WhatsApp keinen Zugriff mehr auf mein Telefonbuch hat – ich kann also nur alte Chats aufrufen oder auf Anfragen reagieren. 
Erreichbar bin ich auch weiterhin ohne WhatsApp: schreibt einfach ne Mail, ruft an, nutzt WhatsApp mit etwas Geduld, schickt nen Brief oder nutzt andere Wege.

Egal, dass WhatsApp DEINE Daten hat?

Mir ist es egal, ob WhatsApp meine Daten hat. Die sind eh schon überall.
Auch gern benutzt. Wenn wir alles im Leben so angehen würden, würden wir nie etwas ändern. Die Anderen sind immer Schuld und wir können ja eh nichts ändern. Sehr bequeme Lebenseinstellung. Ändert aber leider nichts an der Rechtslage 😉

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Nichts zu verbergen?

Ein bisschen ähnlich wie oben. Es geht auch nicht um das Verbergen. Es geht darum, daß man selber entscheiden sollte und muß, was man von sich preisgibt und was nicht. Das muss jeder für sich selber entscheiden.
Genau da liegt aber der Knackpunkt. Die meisten WhatsApp Benutzer sehen es nur auf IHRE Daten bezogen. Kaum jemand versteht am Anfang, daß es gar nicht um seine eigenen Daten geht, sondern um die Daten seiner Freunde, die mit WhatsApp nichts zu tun haben, aber leider auch in seinem Telefon-Adressbuch sind und dadurch auch weitergegeben werden. Wer hat das dem WhatApp Nutzer erlaubt?
Analog könnte man sagen, wenn sich ein Benutzer eines Messengers freiwillig einen Schnupfen einfängt, ist das seine Sache. Aber es ist nicht in Ordnung die Krankheit seinen Freunden bewußt zu übertragen, obwohl die das logischerweise gar nicht wollen. Nichts anderes passiert bei der Weitergabe der Daten bei der Installation & Nutzung von WhatsApp. Da muss man auch nichts schön reden, um ja kein schlechtes Gewissen zu haben 😉

warumthreema.de

Ist WhatsApp verboten?

Kommt WhatsApp im wirtschaftlichen Alltag zum Einsatz, ist ohne Zustimmung der Kontakte und einem Vertrag zwischen WhatsApp Inc. und dem Unternehmen der Einsatz des Messengerdienstes rechtlich nicht zulässig und verstößt gegen die Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung.
Die Problematik besteht übrigens nicht erst seit der DSGVO: Schon im Mai 2017 hatte das Amtsgericht Bad Hersfeld (AZ F 120/17 EASO) festgestellt, dass die Übertragung der Daten aus der Kontaktliste im Smartphone an WhatsApp gegen datenschutzrechtliche Vorschriften aus dem Bundesdatenschutzgesetz verstößt und Abmahnungen begründen kann.

e-recht24.de

Wer als Privatperson WhatsApp auf dem privaten Handy nutzt, ist auch weiterhin von den datenschutzrechtlichen Vorschriften der DSGVO befreit, denn: Die Datenverarbeitung für rein persönliche und familiäre Zwecke wird gem. Art. 2 II c) DSGVO nicht erfasst.
Achtung: Wer das Privathandy nicht nur für persönliche und familiäre Zwecke nutzt, sondern hierüber auch geschäftliche Interessen wahrnimmt, für den sind die Vorschriften der DSGVO uneingeschränkt bindend. Besonderes Augenmerk gilt hierbei Smartphones, die die Möglichkeit bieten, zwei oder sogar mehrere SIM-Karten parallel zu benutzen: Da WhatsApp die gesamte Kontaktliste mit den eigenen Servern abgleicht, werden hierbei automatisch auch die auf dem Telefon gespeicherten privaten Kontakte erfasst. Eine „gemischte“ Nutzung ist damit aus datenschutzrechtlichen Überlegungen heraus konsequent abzulehnen!

e-recht24.de

Datenlieferant

Ich will kein Lieferant mehr von sehr persönlichen Meta-Daten an Facebook und somit an die internationalen Sicherheitsbehörden sein. Jeder digital interessiert Mensch weiß, dass Metadaten signifikante Merkmale über Personen verraten. Sie sind eben nicht anonym, sondern höchstens pseudonym. Und das will ich nicht und dazu will ich nicht weiter beitragen. Ich will nicht, dass andere Institutionen wissen, wann ich wo mit wem kommuniziert habe. Verschlüsselung der Inhalte hin oder her. Origins und Targets sind eben nicht verschlüsselt. Unsere Aufgabe muss es sein, dies auch unseren Eltern, Freunden, Verwandten zu erklären.
Ein System, in dem mittlerweile zig Millionen Menschen in Deutschland mitmachen, gibt Informationen preis, die eine Gesellschaft nicht nur zum positiven verändern können. In großer Sympathie zum CCC und dem gerade beendeten #34C3 sei euch ein Blick in die Playlist vom Kongress empfohlen. Holt euch hier den Stoff, den Ihr benötigt, um mehr zu erfahren.

fundraisingnetz.de

Gerichtsurteil?

Ja: Amtsgericht Bad Hersfeld. Die Verfahrenskosten in Höhe von 1500 € musste die beklagte Mutter tragen.
Dies ist ein Urteil vom 15.05.2017 bzgl. eines 11jährigen Jungen. Begründung: Die Nutzung des Messengers ist nach deutschem Datenschutzrecht rechtswidrig, wenn man nicht die schriftliche Zustimmung aller im Handyadressbuch gespeicherten Personen zur Weitergabe der Kontaktdaten an WhatsApp/Facebook einholt. Wer WhatsApp nicht nutzt, hat nach Auffassung des Gerichts das Recht, jeden seiner Handykontakte kostenpflichtig abzumahnen, der ohne diese Zustimmung WhatsApp nutzt!

Zum Gerichtsurteil



warumthreema.de

Ein Video zum Schluss

Eins noch (etwas Nerdtalk, aber nicht nur)

Wer denkt, Vorratsdatenspeicherungen und „Big Data“ sind harmlos, der kriegt hier eine Demo an Spiegel-Online.

Weitere spannende Links

Eines Tages … werde ich mutiger sein!

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

  1. Andreas sagt:

    Danke für diesen Beitrag.
    Viele Menschen machen sich leider viel zu wenig Gedanken über den Umgang mit Ihren persönlichen Daten und die großen Datenkraken haben lst den wirtschaftlichen Faktor erkannt.
    Ich möchte nicht paranoia sein aber da die Politik ja anscheinend machtlos ist und an die großen nicht rankommt, mahne ich auch zu mehr vorsicht, das fängt beim Surfverhalten an und endet beim Schutz Passwörter.

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